Wissenswertes über Sauerkirschen

Allgemeines und Geschichtliches: Die geschichtlich vorhandenen Erkenntnisse über die Vergangenheit der Sauerkirschen schließen sich denen der Süßkirschen an.
Im 15. Jahrhundert erfolgte dann bei uns eine grobe Einteilung in Süß- und Weichselkirschen, die im Jahre 1797 durch den Kirschenzüchter Büttner eine klare Trennung erfährt. Immerhin wurde zu dieser Zeit schon 231 Sorten getrennt nach Süß- und Sauerkirschen in der 'Klassifikation' der Fachleute v. Truchsess und Pfarrer Heim genauestens festgehalten.

 

 

 

 

Bedeutung: Die Sauerkirsche hat nicht nur eine große Beliebtheit und Bedeutung für den Selbstversorger, sondern auch im Erwerbsanbau - Intensiv-plantagen- einen ansehnlichen Zuwachs erfahren. Die Verwendung zeichnet sich vielseitig ab, als Konservenfrucht, für Marmelade, zum Frischverzehr, für Fruchsalat, Torten, Kuchen, Kirschsäfte, Weine, Liköre, Kirschwasser und Most. Tiefgekühlte Früchte sind ca. 1 Jahr nach der Ernte bei -18 bis -20 Grad haltbar.
Baumformen: Hochstamm, Halbstamm und Busch sind die aus unserer Baumschule angebotenen Baumformen. Da die Sauerkirsche oft auch als Wandspalier Verwendung findet, ist der Aufbau und Formschnitt eine Standortsache.
Befruchtungsverhältnisse: Hier gibt es Sorten mit Selbstfruchtbarkeit und solche mit Selbstunfruchtbarkeit. Bei der Sortenbeschreibung ist darauf hingewiesen. Bei der Pflanzung ist zu beachten, daß Pollenspendersorten mit zu bestäubenden Sorten gemischt stehen.
Bodenansprüche: Die Sauerkirsche verträgt auch noch die ärmsten, sandigen Böden. Es wird nur mangelnde Bodendurchlüftung schlecht vertragen.
Klima und Standort: Sauerkirschen sind weniger anspruchsvoll und nicht so empfindlich wie die Süßkirschen. Sprichwörtlich ist die Winterfrosthärte. Heiße Sommer und kalte Winter sind kein Problem. Ost-Süd-West-Hanglagen sind bevorzugt. Tallagen ohne stauende Nässe und Spalierstandorte sind gleichwertig.
Wasserbedarf: Stauende Nässe, hohes Grundwasser wird nicht vertragen. Sonst werden keine Ansprüche gestellt.
Düngung: Auch hier gilt der Grundsatz über die Haupt-Nährstoffe und Spurenelemente, wie bei Süßkirschen. Eine richtige Baumpflege setzt eine jährliche Düngung voraus.Mit Volldünger, Spurenelementen und organischem Dünger ist nur ein Hinweis möglich: Soweit der Boden Mängel aufweist, ist durch die Düngung nachzuhelfen.
Schnittpflege: Hier gelten folgende Grundsätze:
a) Pflanzschnitt wie bei Süßkirschen.
b) Aufbau-, Erziehungsschnitt: üblich und einfach. Aufbau einer Trichterkrone mit einem Mitteltrieb, je Etage 3 Seitentriebe, Etagenabstände mindestens 60cm. Diese Gerüstäste werden dann durch je einen weiteren Seitentrieb auf 6 erhöht. Schnittzeit dafür am besten, wegen der Verhütung der Gummifluß, Monilia und Bleiglanzkrankheit im Juni bis September. Triebe, die nach innen wachsen, werden entfernt.
c) Fruchtholzschnitt: Die Sauerkirsche trägt ihre Früchte am einjährigen Holz. Dies bedeutet, daß eine Verkahlung der Triebe einsetzt, wenn nicht jährlich durch energischen Rückschnitt der Leit- und Triebknospen erfolgt. Beste Schnittzeit dafür Februar-März, nach der Kälteperiode.
d) Überwachungs-, Auslichtungs-, Verjüngungsschnitt: ist jährlich angebracht. Die überflüssigen, zu dicht stehenden Triebe sind schon im Juni-August oder Dezember-März, ohne Frosttemperaturen, zu entfernen.
Große Schnittstellen müssen mit Wundwachs oder ähnlichen behandelt werden. Dieses Wundwachs bekommen Sie natürlich auch in der Baumschule Boysen. Hier können sie dann auch nochmal erfragen, ob Sie alles richtig gemacht haben.

Bodenpflege: Es gibt dafür kein einheitliches Rezept. Dazu folgende Möglichkeiten:
a) Bodenpflege durch Lockerung, Durchlüftung; darf nur 10-15cm der Bodenschicht berühren, sonst entstehen Wurzelschäden.
b) Abdecken mit Mulchmaterial (Stroh, Torf, Gras, Rindenmulch)
c) Gründüngung mit Raps, Senf u.a.
d) Graswuchs

 

Haben Sie noch andere alte Sorten? Wir suchen noch welche.

Wissenswertes über Süßkirschen

Allgemeines und Geschichtliches: Die Ausgrabung bei den Pfahlbauten am Bodensee haben bewiesen, daß bereits 4000 bis 3000 Jahren vor unserer Zeitrechnung Kirschenfrüchte für menschliche Ernährung vorhanden waren.
Es setzt sich der Beweis über die Verbreitung von Kirschensorten über die Griechen und Römer fort. 300 v. Chr. beschreibt der Grieche Teophrast die Süßkirsche 'Cerasus'. 74 v. Chr. bringt der Römer Lukullus die Kirsche nach Rom mit.

 

 

 

 

Im 16. Jahrhundert bestand z.B. schon in Italien eine Sortenliste, bestehend aus 15 Sorten. Die Literarur trennt dann die Kirschensorten um 1700 n. Chr. schon in Süß- und Sauerkirschen. Zwischen 1755 und 1826 enstand dann das erste Standardwerk über Kirschensorten durch den Freiherrn Chr. Truchsess. Er beschreibt bereits 441 Herkünfte. Im 19. Jahrhundert erschien dann im illustrierten Handbuch für Obstkunde die Beschreibung von 147 Kirschensorten. Daraus haben sich nun die Sortenbereinigungen bis zum heutigen Tag vollzogen.
Allgemeine Bedeutung: Die Weltproduktion beträgt zur Zeit ca. 1,6 Mill. Tonnen. Davon entfallen 80 % auf Europa. An der Spitze der Erzeugerländer stehen BRD, Italien und die USA.
Neben den Beständen von Süß- und Sauerkirschen in Hausgärten besteht der Plantagenanbau in etwa zu gleichen Teilen. Süßkirschen werden für genau das gleiche verwendet wie Sauerkirschen.
Befruchtungsverhältnis: Alle Süßkirschen sind ausgesprochen aelbstunfruchtbar (selbststeril), also auf Fremdbefruchtung angewiesen. Sie sind deshalb auf die Bestäubung durch sortenfremde Blütenpollen angewiesen. Die Übertragung der Fremdpollen von anderen Kirschsorten erfolgt durch Bienen, Insekten und Wind. Ein Vorteil ist dabei, daß viele alte Kirschensorten gute Pollenspender sind.
Bodenansprüche: Kirschen gedeihen auf fast allen Böden. Sie sind für einen höheren Lehmanteil dankbar. Vertragen aber keine Staunässe. Sogar extreme Bodenarten sind brauchbar. Eine alte Weisheit sagt, daß überall dort Süßkirschen gedeihen, wo die Heckenrosen blühen und gedeihen.
Extreme Sandböden und allerschwerste Tonböden sind ungeeignet. Die Bodentiefgründigkeit reicht von 60-80cm (Flachwurzler). Der Kalkvorrat des Bodens spielt eine untergeordnete Rolle. Wichtig dagegen sind alle Grundnährstoffe (Stickstoff, Phosphorsäure, Kali, Magnesium, Kalzium, Schwefel) und die Mikronährstoffe (Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor).
Dazu ist die Bodenreaktion wichtig. Süßkirschen wollen einen pH-Wert von 5,3-7,5; sie haben also eine breite Anpassung an den Boden.
Klima - Standort: Die Blüten sind hochempfindlich gegen Spätfröste. Tiefe Wintertemperaturen, unter -25 Gard, führen zu Holzfrostschäden. Durch die Märzensonne können dann auch Stammrisse entstehen. Das Stammkalken ist daher sehr hilfreich.
Warmes, ausgeglichenes Klima wird bevorzugt. Die Anbaubreite wird durch sehr hohe Sommertemperaturen im Süden und extreme Wintertemperaturen im Norden begrenzt. Tal- oder auch Höhenlagen sind geeignet. Jahresniederschlagsmengen von 450-1100 mm zeigen, daß große Anpassungsfähigkeit besteht. Auch hier haben wir trotzdem nur Sorten genommen, von denen wir wissen, das diese unsere Böden und Wetterbedingungen gut abkönnen.
Wasserbedarf: Dieser ist mäßig. Der Boden muß noch genügend Feuchtigkeit haben. Stauende Nässe oder sehr wechselvolle Standorte verursachen mit Sicherheit das Absterben der Bäume. Zuviel Wasser kann auch die Ursache für den Gummifluß sein.
Düngung: Soweit der Boden nährstoffreich ist, drückt sich dies im Holzwuchs und auch im Blatt und in den Früchten aus.
Mangelerscheinungen können durch Bodenuntersuchungen festgestellt werden. Bodenuntersuchungsstellen sind häufig den Pflanzenschutzämtern angeschlossen, die auch Auskunft über weitere Adressen geben können. Ein Düngevorschlag mit dem Untersuchungsergebnis wird gegeben. Sehen sie dazu auch Wissenswertes über Apfelbäume.
Die mineralischen oder organischen Düngungen sind dann neben der Bodenpflege für die Nährstoffversorgung wichtig.
Sortenauswahl: Die unübersehbare Zahl von Kirschensorten ist überwiegend durch Zufallssämlinge entstanden. In neuerer Zeit erfolgen Züchtungen durch Kreuzungen.
Bei der Reifezeit spricht man von einer Wochenperiode:
1. Kirschenwoche 1.-15. Mai
2. Kirschenwoche 15.-31. Mai
3. Kirschenwoche 1.-15. Juni
4. Kirschenwoche 15.-30. Juni
5. Kirschenwoche 1.-15. Juli
6. Kirschenwoche 15.-31. Juli
Die tatsächlichen Reifetermine sind vor allem abhängig vom Klima, der Witterung, dem Standort und der Bodenstruktur.
Schnittpflege: Kann man auch die Schnittpflege der Sauerkirschen nehmen.
Sie können das ganze Jahre unsere Obstbäume pflanzen, denn diese werden schon als junge Veredlungen im 5 Liter Container gezogen.

 

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